Mit den Waffen einer Frau

Etwas fürs Auge … Eine maßgeschneiderte Waffe vereint Funktion und Ästhetik nach den individuellen Anforderungen der Kundin.
Eine Frau mit einem an ihre Bedürfnisse angepassten Jagdgewehr
© Mohring Jagdwaffen

Seit Jahren erfreuen sich Individualwaffen, also Waffen, die speziell für die Anforderungen des Kunden gebaut werden, wieder besonders großer Beliebtheit. In einer jahrhundertelang durch Männer geprägten Jagd sind es insbesondere die Frauen, welche durch die Vorteile einer maßgeschneiderten Waffe profitieren.

Dabei genügt es keineswegs, eine für einen Herrn gestaltete Waffe um einige Zentimeter zu kürzen. Vielmehr sollte die gesamte Waffe proportional an die Frau angepasst werden. Neben der angepassten Schaftlänge ist es insbesondere ein schlankerer Kolbenhals, welcher der Kundin im Anschlag ein sicheres Gefühl verleiht. Die Erfahrung zeigt auch, dass ein steilerer Griffwinkel für eine bessere Wahrnehmung und Haptik der Waffe im Anschlag vorteilhaft ist. In der Regel fällt die Grifflänge bei einer für eine Damenhand angepasste Schäftung auch deutlich kürzer aus als bei einer Standardschäftung. Dies bewirkt einen verringerten Abstand der Schießhand zum Abzug. Die schlanke Linie des Schaftes setzt sich bis zum Vorderschaft fort. Dieser wird oft schlanker gehalten und verleiht dem Schützen mit einer kleinen Hand einen fachgerechten Anschlag beim Stehend-Angestrichen-Schießen.

Der Vorteil der Individualwaffe

Der große Vorteil einer Individualwaffe besteht natürlich auch in der Möglichkeit, eine besonders leichte Schaftholzkantel als Ausgangsmaterial auszuwählen. Immer häufiger wird Birkenholz für leichte Schäfte verwendet. Ein leichter Schaft stellt sicherlich nicht für alle Belange die optimale Lösung dar. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Eine leichte Waffe wird zwangsläufig zu einem stärkeren Rückstoß führen. Zu berücksichtigen ist selbstverständlich hierbei auch das spätere Einsatzgebiet der Waffe. Eine Ansitzwaffe Ansitzwaffe darf deutlich schwerer ausfallen als eine Büchse für die Pirsch. Hier sollte im Idealfall die Kundin an verschiedenen Waffen ihre Schmerzgrenze für das Gewicht der Gesamtwaffe ermitteln.

Eine freuenspezifische Jagdwaffe
Von Meisterhand: Durch das Verkleinern eines Mauser 98er Systems verringert sich die Magazinkapazität auf drei Schuss. Das Ergebnis ist eine leichte, elegante und überaus führige Büchse. © DWM

Die Kaliberwahl

Eine durchaus wichtige Entscheidung, die der Kunde für die Konfiguration seiner persönlichen Waffe trifft, ist das Kaliber. Aufgrund der Leistungsreserven geschätzte Kaliber wie 8 x 57 IS und .30-06 Spring. werden von vielen Frauen als zu stark im Rückstoß empfunden. Besonders beliebt bei Jungjägerinnen sind die Kaliber .243 Win. und .308 Win. Diese Kaliber werden wegen ihres moderaten Rückstoßes bei ausreichender Energieabgabe gerne auch von Männern für viele jagdliche Situationen geschätzt. Selbstverständlich gilt es zu beachten, dass die .243 Win. keine hochwildtaugliche Patrone ist. Als echter Allrounder im Segment der Patrone mit mäßigem Rückstoß gilt nach wie vor die 6,5 x 55 SE. Jägerinnen und Jäger schätzen sie vor allem wegen ihrer ausgezeichneten Präzision, der moderaten Geschossgeschwindigkeit sowie der hohen Wund- und Tiefenwirkung im Wildkörper. So wird diese Patrone in Skandinavien bei der Jagd vom Auerhahn bis zum Elch verwendet.

Sollte ein leistungsstärkeres Kaliber gewünscht oder erforderlich sein, kann der Büchsenmacher durch verschiedene Modifikationen an der Waffe den empfundenen Rückstoß spürbar verringern. Bereits eine dicke und weiche Schaftkappe führt zu einer deutlichen Minderung des empfundenen Rückstoßes. Einen ausgezeichneten Kompromiss aus Waffengewicht und Rückstoß stellen Rückstoßbremsen wie die Blaser Kickstop oder die von Krieghoff verwendete BreaKO dar. Eine Rückstoßbremse, welche in den Hinterschaft der Waffe einbaut wird, kann den Rückstoß um bis zu 20 Prozent verringern. Es handelt sich hierbei um einen Edelstahlzylinder, der mit einer Wolfram- oder Quecksilberfüllung versehen ist und nach dem Prinzip der Massenträgheit wirkt. Angenehmer Nebeneffekt: Die Balance der Waffe verbessert sich aufgrund der Schwerpunktverlagerung zum Schützen spürbar. Natürlich trägt auch ein Waffenschalldämpfer erheblich zur Reduzierung des Rückstoßes bei. Besonders leichte Modelle aus Aluminium, Titan und Carbon erhöhen das Gesamtgewicht der Waffe dabei nur geringfügig.

Das System

Die ideale Ausgangsbasis für eine maßgefertigte Waffe stellt immer noch das Mauser 98er System dar. Dieses System wird jedoch trotz seiner Präzision und Zuverlässigkeit von vielen Kunden in seiner ursprünglichen Form als nicht mehr als zeitgemäß und zu klobig empfunden. Für ein zierliches Repetiergewehr greift der findige Büchsenmacher tief in seine Trickkiste, um das System an die Anforderungen der Kundin respektive des Kunden anzupassen. So besteht die Möglichkeit, ein 98er System in Länge und Höhe zu kürzen und dadurch insgesamt deutlich schlanker zu gestalten. Hier haben unterschiedliche Meisterwerkstätten schon elegante, ansprechende Repetierbüchsen speziell für Frauen geschaffen. 

Die Optik

Um das stimmige Erscheinungsbild der Waffe zu erhalten, könnte auf ein Zielfernrohr mit 42er Objektivdurchmesser zurückgegriffen werden. Ein Zielfernrohr mit größerem Objektivdurchmesser würde die zierliche Erscheinung der Waffe stören. Moderne Zielfernrohre mit 42er Objektivdurchmesser können heutzutage durch die hervorragende Lichttransmission eine Bildqualität erreichen, wie sie bis vor einigen Jahren eben nur mit deutlich größeren Objektivdurchmessern möglich war. Dieser Faktor darf keinesfalls mit der errechneten Austrittspupille verwechselt werden.

Das Fazit

Mittlerweile haben viele der etablierten Waffenhersteller Modelle für die Anforderungen einer Frau in ihr Portfolio aufgenommen. Mit einer maßgeschneiderten Waffe aus der Werkstatt eines Büchsenmachermeisters haben sowohl Frauen als auch Männer die Möglichkeit, ein perfekt passendes Unikat für die Ausübung ihrer Passion zu erhalten.

Über den Autor/in

Claudia Jahn

Claudia Jahn

Meine Aufgabenbereiche sind die redaktionelle Leitung sowie die grafische Gestaltung jeder einzelnen Ausgabe. So kann man sagen, dass WM-Intern tatsächlich meine persönliche Handschrift trägt. Grafik & Gestaltungen sind schon immer mein Steckenpferd, doch interessante und abwechslungsreiche Magazine leben von beiden Komponenten: Relevante Inhalte und ansprechende Gestaltung. Die Inhalte für WM-Intern kommen aus einem stetig wachsenden, hoch motivierten Team an freien Autorinnen und Autoren. Die Koordination dieses Teams ist für mich das Herzstück von WM-Intern. Von und mit der Arbeit in unserem Team lebt unser B2B-Insider-Magazin.