Geschäftsreisen – Privileg oder Notwendigkeit?

Aufgrund der Corona-Pandemie haben deutsche Unternehmen und öffentliche Institutionen in den vergangenen zwei Jahren meist auf Geschäftsreisen verzichtet. Laut der Geschäftsreiseanalyse 2021 des Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) waren es im Jahr 2020 rund 32,7 Millionen Geschäftsreisen (-83,3 Prozent) und 3,3 Millionen Geschäftsreisende (- 74,9 Prozent). Somit erreichten die Ausgaben mit 10,1 Milliarden Euro den niedrigsten Stand seit Beginn der Datenerhebung vor 19 Jahren.
Die Wolken von oben. Fotografiert aus dem Fenster eines Flugzeuges. Rechs sieht man eine Tragfläche
© Claudia Jahn
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Doch eine aktuelle VDR-Barometerumfrage unter ihren Mitgliedsunternehmen zeigt, dass Dienstreisen wieder zunehmen – auch wenn der drastische Einbruch trotz des zu erwartenden Nachholbedarfs nicht ausgeglichen wird. Und ganz offensichtlich hat sich auch der Fokus verändert: So spielen neben den negativen Auswirkungen der Pandemie, den steigenden Kosten und hohem bürokratischen Aufwand vor allem positive Effekte hinsichtlich Nachhaltigkeit und Sicherheit der Reisenden sowie die digitalen Möglichkeiten eine bedeutende Rolle. 

Mehr als 60 Prozent der befragten Unternehmen gehen demnach davon aus, dass sie künftig um bis zu 30 Prozent weniger Dienstreisen unternehmen werden, da sich Alternativen wie Videokonferenzen, Webinare oder digitale Messen zum Teil bewährt haben. „Dennoch lässt sich festhalten: Der persönliche Austausch mit Geschäftspartnern und Kunden bleibt wichtig und lässt sich nicht dauerhaft ersetzen“, betonte VDR-Präsident Christoph Carnier bei der Präsentation der Umfrageergebnisse. 

Ohne Frage sind reale Zusammenkünfte für einen fruchtbaren bzw. erfolgreichen Austausch unerlässlich. So bietet der persönliche Kontakt mitunter mehr kreatives Potenzial, es entsteht größere Vertrautheit und auch neue Kontakte lassen sich auf diese Weise sicherlich besser knüpfen als online per Computer. 

Zudem steigert die aktuelle geopolitische und unternehmensstrategische Lage in gewisser Weise die Notwendigkeit von Geschäftsreisen – auch wenn die Rahmenbedingungen erheblich einschränkt sind. Mit diesem Spannungsfeld hat sich ganz aktuell auch die „Tagung für Geschäftsreise- und Mobilitätsmanagement“ des VDR vom 4. bis 5. Mai in Köln beschäftigt. Denn u. a. die Chip-Krise, der Krieg in der Ukraine und damit in Verbindung stehende unterbrochene Lieferketten bzw. beendete Geschäftspartnerschaften werden vermutlich eine erheblich intensivierte Geschäftsreisetätigkeit zur Folge haben. 

Am Ende lässt sich feststellen, dass Dienstreisen künftig vermutlich eher etwas „Besonderes“ sind und den Status eines Privilegs erhalten werden.

www.vdr-service.de 

Über den Autor/in

Miriam von Chamier

Miriam von Chamier

Miriam von Chamier lebt als freie Redakteurin in der Nähe von Köln. Einer der Schwerpunkte ihres Schreibens liegt im Bereich Marketing und B2B. Darüber hinaus ist sie immer auf der Suche nach aktuellen und interessanten Themen, die es lohnen, darüber zu berichten.